Corona-Shutdown und Legionellen im Trinkwasser - ein Risiko in öffentlichen Einrichtungen

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Trinkwasserqualität

Den infolge der Corona-Pandemie geschlossenen öffentlichen Einrichtungen droht Gefahr durch Legionellen­­kontamination.

Gesundheit

Das Robert Koch-Institut erfasst mehr als 1.400 Legionellose-Erkrankungen pro Jahr in Deutschland, Dunkel­ziffer bis zu 20-mal so hoch.

Infektionsgefahr

Vielfach erhöhtes Gesundheits­risiko durch Legionellen­belastung und Corona-Infektionen.

Durch Nicht-Nutzung steigt die Gefahr einer Legionellen­kontamination exponentiell

Zur Eindämmung der Coronavirus-Infektionen wurden von Bund und Ländern restriktive Maßnahmen erlassen: Öffentliche und kommunale Institutionen wie Schulen, Kindertagesstätten, Bäder sowie Erholungs- und Landschulheime mussten schließen oder wurden in ihren Nutzungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Eine Vielzahl dieser Einrichtungen ist oftmals mit veralteten Trinkwasseranlagen ausgestattet, die auch von Kindern und anderen Schutzbedürftigen genutzt werden.

Treffen sanierungsbedürftige Trinkwasserinstallationen auf länger andauernde Nicht-Nutzung der Leitungen, erhöht sich die Kontaminationsgefahr durch Legionellen exponentiell. Das kann insbesondere in der Zeit nach der Wiederinbetriebnahme der Anlagen kritische Folgen haben.

Legionellen im Trinkwasser – durch die Corona-Pandemie ein erhöhtes Risiko für öffentliche Einrichtungen

Die erhöhte Kontamination des Trinkwassers mit Legionellen stellt ein weitverbreitetes Problem dar, auch und besonders für die Trinkwasseranlagen in öffentlichen Einrichtungen. Immer wieder sorgen die Bakterien, die schwere Lungenentzündungen und Fieber auslösen können, für Schlagzeilen in TV-Berichten und Zeitungen. Jährlich werden in Deutschland mehr als 1.400 Legionellose-Erkrankungen beim Robert Koch-Institut registriert, die Dunkelziffer wird auf bis zu 30.000 tatsächliche Erkrankungen geschätzt.

Legionellen und Corona – eine lebensgefährliche Kombination

Mit der Coronavirus-Pandemie erhalten die Auswirkungen von Legionellen zusätzliche Beachtung: Koinfektionen mit Legionellen und SARS-CoV-2, beide für die Atemwege gefährlich, könnten sich gegenseitig negativ auf Krankheitsverläufe auswirken und die Situation verschärfen.

Ist beispielsweise ein ansonsten gesunder Mensch dauerhaft einer erhöhten Belastung an Legionellen ausgesetzt, wird das Immunsystem geschwächt und die Gefahr eines ungünstigen Verlaufs bei einer zusätzlichen Erkrankung an Corona steigt enorm.

Interview mit Dr. med. Kornmann und Dr. med. Michels

Dr. med. Oliver Kornmann
Lungenfacharzt
Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

Dr. med. Berthold Michels
Infektiologe, Lungenfacharzt
Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

PAUL: Welche Rolle spielt die Legionellose allgemein in Ihrem Institut?

Dr. med. Michels: Obwohl tatsächlich eine gewisse Diskrepanz zwischen der recht häufigen Legionellenkontamination und manifesten, klinisch auffälligen Legionellosen herrscht, sehen wir diese Erkrankung im Institutsalltag, aber auch in der Praxis zum Glück eher selten. In Bezug auf gesicherte Legionellosen hat Deutschland eine Inzidenz von 1,7 auf 100.000 Einwohner. Da allerdings nicht jede Legionellenpneumonie als solche erkannt und dementsprechend erfasst und behandelt wird, kann man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer an Erkrankungen etwa beim Faktor 10-15, vielleicht sogar Faktor 20 liegt.

PAUL: Lassen sich die Symptome einer Legionellose grundsätzlich von denen einer anderen Lungenerkrankung unterscheiden oder besteht hier Verwechslungsgefahr?

Dr. med. Kornmann: Eine Lungenentzündung durch Legionellen kann aufgrund des vielgestaltigen Verlaufs durchaus unentdeckt bleiben oder als einfache Bronchitis diagnostiziert werden, da sie nicht selten ohne Fieber und mit wenig Auswurf einhergehen kann. Ist das Krankheitsbild als atypische Lungenentzündung diagnostiziert, kommen neben Legionellen auch Mykoplasmen und Chlamydien und einige wenige andere als Erreger in Betracht. Sie gehören alle zu einer Gruppe von Erregern, die als sogenannte atypische Erreger bezeichnet werden. Atypische Erreger können in der Zelle oder im Zellzwischenraum auftreten und nehmen in bestimmten Eigenschaften eine Mittelfunktion zwischen Bakterien und Viren ein.

Mykoplasmen und Chlamydien sind deutlich häufiger anzutreffen als Legionellen, die Therapie und Behandlung ist aber durchaus ähnlich. Liegt also eine Verdachtsdiagnose auf eine atypische Erkrankung vor, wird im Rahmen einer kalkulierten antibiotischen Behandlung die Therapie so gewählt, dass insbesondere atypische Erreger erfasst werden. Das bedeutet, dass auch Legionellen behandelt werden können, ohne dass sie als Auslöser erkannt werden müssen, zumal nicht immer ein Erregernachweis erfolgt

Dr. med. Michels: Wie auch bei vielen anderen Infektionskrankheiten braucht es eine gewisse Mindestmenge an Erregern, um an einer Legionellose zu erkranken. Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel aufgrund von chronischen Erkrankungen, ist das Risiko, bei Exposition an einer Legionellose zu erkranken, höher als für einen gesunden, immunkompetenten Mensch, da eine Erkrankung bereits bei einer deutlich niedrigeren Konzentration an Legionellen erfolgt.

PAUL: Welche Konsequenzen sind zu befürchten, wenn ein ansonsten gesunder Mensch bereits unwissentlich chronisch mit Legionellen belastet ist und sich dann mit dem neuartigen Coronavirus infiziert?

Dr. med. Kornmann: Wenn jemand eine Form einer Legionellenerkrankung hat, die noch nicht so manifest ist, dass ein ausgeprägtes Krankheitsbild vorhanden ist, oder es besteht eine Exposition gegenüber Legionellen und es kommt zu einer Ko- oder einer Superinfektion mit einer weiteren Lungenerkrankung, zum Beispiel COVID-19, dann ist das Risiko, dass beide Erkrankungen manifester werden und einen ungünstigen Verlauf nehmen, massiv erhöht. Von einer Koinfektion oder Zweitinfektion spricht man, wenn beide Erkrankungen mehr oder weniger zeitgleich auftreten. Von einer Superinfektion spricht man in der Regel dann, wenn eine Infektion bereits besteht und den Boden für eine zweite Infektion bereitet. Ein normaler Atemwegsinfekt, zum Beispiel eine Bronchitis, beginnt in den allermeisten Fällen viral. Es gibt dann aber eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Patienten, bei denen auf dem Boden einer viralen Infektion der Atemwege eine bakterielle Infektion hinzukommt, weil die Atemwege bereits entzündet oder gereizt sind und das Immunsystem geschwächt ist. Bakterien, die teilweise in einer für den Körper unter Normalbedingungen nicht krank machenden Anzahl vielleicht sogar beim Gesunden im Mund-Rachen-Raum vorhanden sind, nehmen dann überhand und führen zu einer Superinfektion.

Dr. med. Michels: Das ist im Übrigen auch der Grund, warum man Risikopatienten ab einem gewissen Alter oder mit Vorerkrankung auch im Hinblick auf COVID-19 eine Impfung gegen Pneumokokken empfiehlt. Diese Impfung hilft nicht gegen das Coronavirus per se, sondern schützt vor Ko- und Superinfektionen durch Pneumokokken, die einen ungünstigen Verlauf fördern könnten.

Da man gegen Legionellen nicht impfen kann, empfiehlt man Risikopatienten besondere Vorsicht hinsichtlich Legionellenkontaminationen im Trinkwassersystem. Eine vorhandene Exposition sollte reduziert oder eliminiert werden. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn jemand bereits an COVID-19 erkrankt ist.

Dr. med Oliver Kornmann

Lungenfacharzt

Dr. med. Berthold Michels

Infektiologe & Lungenfacharzt

Betriebsstilllegungen drohen

Öffentliche Einrichtungen stehen nun also vor einem doppelten Problem: Durch die lange Betriebsunterbrechung ist die Legionellengefahr deutlich gestiegen und jede Schwächung des Immunsystems kann in der Corona-Pandemie tödlich sein. Es ist deshalb geradezu geboten, dass Behörden hier sehr strikt vorgehen und bei Legionellenbefall mit Stilllegungen reagieren.

Vorgehen nach Betriebsunterbrechung

Wie ist nach einer Betriebsunterbrechung vorzugehen?

Um die Trinkwasserhygiene zu garantieren, ist gemäß dem Deutschen Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene e.V. (DVQST) folgender Spülplan nach einer Betriebsunterbrechung der Trinkwasseranlage von mehr als drei Tagen einzuhalten:

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Informationen und Praxistipps zum Neustart von Trinkwassersystemen

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Bei Wiederinbetriebnahme nach maximal sieben Tagen:

  • Öffnen Sie mehrere Entnahmestellen gleichzeitig, um für ausreichende Durchströmung der Verteilleitungen zu sorgen.
  • Lassen Sie für mindestens fünf Minuten Wasser fließen.
  • Die Spülung muss in Kalt- und Warmwasserleitungen durchgeführt werden.

Bei Wiederinbetriebnahme nach maximal vier Wochen:

  • Führen Sie einen vollständigen Wasseraustausch an allen Entnahmestellen durch Spülung mit Wasser durch.
  • Damit Leitungen ordnungsgemäß gereinigt und eventuelle Verunreinigungen entfernt werden können, sind Fließgeschwindigkeiten von mindestens 2m/s erforderlich.

Bei Wiederinbetriebnahme nach über vier Wochen:

  • Lassen Sie – zusätzlich zum vollständigen Wasseraustausch – eine mikrobiologische Kontrolluntersuchung in Kalt- und Warmwasserleitungen vornehmen, um eine Belastung durch Legionellen und andere Keime auszuschließen.
  • Ist eine mikrobielle Kontamination nachweisbar, sind reinigende Maßnahmen zu treffen, beispielsweise in Form einer thermischen oder chemischen Anlagendesinfektion.

Wenn jemand eine Form einer Legionellenerkrankung hat, die noch nicht so manifest ist, dass ein ausgeprägtes Krankheitsbild vorhanden ist, oder es besteht eine Exposition gegenüber Legionellen und es kommt zu einer Ko- oder einer Superinfektion mit einer weiteren Lungenerkrankung, zum Beispiel COVID-19, dann ist das Risiko, dass beide Erkrankungen manifester werden und einen ungünstigen Verlauf nehmen, massiv erhöht.

Dr. med. Oliver KornmannLungenfacharzt - Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

Da man gegen Legionellen nicht impfen kann, empfiehlt man Risikopatienten besondere Vorsicht hinsichtlich Legionellenkontaminationen im Trinkwassersystem. Eine vorhandene Exposition sollte reduziert oder eliminiert werden. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn jemand bereits an COVID-19 erkrankt ist.

Dr. med. Berthold MichelsInfektiologe, Lungenfacharzt - Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

Betreiber von Gebäuden, Anlagen, Einrichtungen oder Liegenschaften sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Gesundheit und das Leben der Nutzer zu schützen, sowie durch aufmerksames und fachkundiges Handeln Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Dabei ist bereits im Vorfeld jede Maßnahme zur Sicherheit zu erarbeiten, umzusetzen, zu prüfen – und regelmäßig zu aktualisieren.

Hartmut HardtRechtsanwalt mit Schwerpunkt Betreiberrecht und Haftungsrecht, Mitglied im Beirat Facility Management des VDI - Foto: TFranzen

Stagnation, geringer Leitungsdurchfluss und die falschen Temperaturen in den Trinkwasseranlagen sind die häufigsten Ursachen für die Vermehrung und Verbreitung von pathogenen Keimen und Legionellen. Je größer das Gebäude, desto höher auch das Risiko der Trinkwasserverkeimung.

Peter Paul ThomaDipl.-Ingenieur Versorgungstechnik, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Sanitär, Heizungs- und Lüftungstechnik und Energieberater

Der hydraulische Abgleich trägt maßgeblich dazu bei, dass die vorgeschriebenen Warm- und Kaltwassertemperaturen in allen Strängen eingehalten werden. Des Weiteren verringert der hydraulische Abgleich Leitungsschäden und Überlast der Warmwasserversorgung.

Willibald SchodorfDipl.-Ingenieur für Technische Chemie, Fachausschussvorsitzender „Wasser“ im Deutschen Fachverbandes für Luft- und Wasserhygiene e.V. (DFLW)

Nach einer Betriebsunterbrechung von mehr als einem Monat sind zusätzliche mikrobiologische Kontrolluntersuchungen auf allgemeine Keimzahl und Legionellen durchzuführen, und zwar sowohl in den Kalt- als auch in den Warmwasserleitungen.

Arnd Bürschgensöffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Trinkwasserhygiene, Vorsitzender des Deutschen Vereins der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene (DVQST e.V.)

PAUL – digitale Prävention gegen Legionellen

Damit Legionellen-Probleme gar nicht erst entstehen, sorgt PAUL automatisiert für die regelmäßige Ausspülung der Trinkwasseranlage. Mittels innovativer, patentierter Verfahren wird die Bildung von Legionellen und anderen pathogenen Keimen sicher und langfristig verhindert. PAUL garantiert somit die dauerhafte Trinkwasserhygiene und dokumentiert alle erfassten Daten normenkonform und rechtssicher.

Setzen Sie sich direkt mit uns in Verbindung, wenn Sie mehr über PAUL in öffentlichen Einrichtungen erfahren möchten.

PAUL hilft sofort

Die Corona-Krise erfordert überall besondere Maßnahmen.
Deshalb haben wir für Sie den PAUL-Trinkwasserhygienedienst eingerichtet. Hier erhalten Sie Hilfe bei akuten Fällen.

Trinkwasserhygienedienst

Mit PAUL können Legionellen sofort und dauerhaft aus dem Trinkwasser entfernt werden. Zudem haben wir unser Expertennetzwerk aktiviert: Bei Bedarf können Ihnen Mediziner, Juristen, Hygieneexperten, spezialisierte Sachverständige und Ingenieure weiterhelfen.



https://www.youtube.com/watch?v=ntyjFfaAh38

So funktioniert PAUL