Bewohner im Corona-Lockdown und Legionellen im Trinkwasser - erhöhtes Gesundheitsrisiko in Immobilien

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Trinkwasserqualität

Starke Nutzung der Trinkwasser­anlagen begünstigt die Verbreitung von Legionellen­kontaminationen.

Gesundheit

Das Robert Koch-Institut erfasst mehr als 1.400 Legionellose-Erkrankungen pro Jahr in Deutschland, Dunkelziffer bis zu 20-mal so hoch.

Infektionsgefahr

Vielfach erhöhtes Gesundheits­risiko durch Legionellen­belastung und Corona-Infektionen.

Lockdown wird zum Stresstest für Trinkwasseranlagen – drohende Verbreitung von Legionellen­kontaminationen

Im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2 Infektionen wird seit Mitte März 2020 das öffentliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland massiv eingeschränkt – Häuser und Wohnungen werden zum Hauptaufenthaltsort der Bevölkerung.

Da sich aktuell sehr viele Menschen gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum hinweg zu Hause aufhalten, steigt der Trinkwasserverbrauch in den Haushalten. Durch die hohe Gebrauchsintensität werden bereits im System befindlichen Erregern mehr Nährstoffe zugeführt, was wiederum ihre Vermehrung begünstigt. Sollten also bereits Kontaminationen in der Anlage vorliegen, werden die Bewohner den Legionellen nun dauerhaft ausgesetzt und die Gefahr einer schwerwiegenden Legionellenerkrankung, z.B. einer Legionellose, steigt.

Dabei ist in großen Liegenschaften das Risiko eines starken Legionellenbefalls von vornherein erhöht – laut einer Studie von Techem in Gebäuden mit mehr als 50 Wohnungen bereits um rund 30%.     Hier entstehen sehr häufig Legionellenkontaminationen durch falsche Temperaturen im Wassersystem aufgrund eines unzureichenden hydraulischen Abgleichs oder infolge eines zu geringen Durchflusses in den Leitungen. Summieren sich nun existente Leitungsprobleme und die verstärkte Nutzung der Trinkwasseranlagen, werden nicht nur optimale Vermehrungsbedingungen für Legionellen geschaffen, auch die rapide Verteilung im ganzen Gebäude wird ermöglicht.

Legionellen im Trinkwasser – durch die Corona-Pandemie ein erhöhtes Risiko in großen Wohnimmobilien

Die erhöhte Kontamination des Trinkwassers mit Legionellen stellt ein weitverbreitetes Problem dar, auch und besonders für die Trinkwasseranlagen in großen Wohnimmobilien. Immer wieder sorgen die Bakterien, die schwere Lungenentzündungen und Fieber auslösen können, für Schlagzeilen in TV-Berichten und Zeitungen. Jährlich werden in Deutschland mehr als 1.400 Legionellose-Erkrankungen beim Robert Koch-Institut registriert, die Dunkelziffer wird auf bis zu 30.000 tatsächliche Erkrankungen geschätzt.

Legionellen und Corona – eine lebensgefährliche Kombination

Mit der Coronavirus-Pandemie erhalten die Auswirkungen von Legionellen zusätzliche Beachtung: Koinfektionen mit Legionellen und SARS-CoV-2, beide für die Atemwege gefährlich, könnten sich gegenseitig negativ auf Krankheitsverläufe auswirken und die Situation verschärfen.

Ist beispielsweise ein ansonsten gesunder Mensch dauerhaft einer erhöhten Belastung an Legionellen ausgesetzt, wird das Immunsystem geschwächt und die Gefahr eines ungünstigen Verlaufs bei einer zusätzlichen Erkrankung an Corona steigt enorm.

Interview mit Dr. med. Kornmann und Dr. med. Michels

Dr. med. Oliver Kornmann
Lungenfacharzt
Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

Dr. med. Berthold Michels
Infektiologe, Lungenfacharzt
Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

PAUL: Welche Rolle spielt die Legionellose allgemein in Ihrem Institut?

Dr. med. Michels: Obwohl tatsächlich eine gewisse Diskrepanz zwischen der recht häufigen Legionellenkontamination und manifesten, klinisch auffälligen Legionellosen herrscht, sehen wir diese Erkrankung im Institutsalltag, aber auch in der Praxis zum Glück eher selten. In Bezug auf gesicherte Legionellosen hat Deutschland eine Inzidenz von 1,7 auf 100.000 Einwohner. Da allerdings nicht jede Legionellenpneumonie als solche erkannt und dementsprechend erfasst und behandelt wird, kann man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer an Erkrankungen etwa beim Faktor 10-15, vielleicht sogar Faktor 20 liegt.

PAUL: Lassen sich die Symptome einer Legionellose grundsätzlich von denen einer anderen Lungenerkrankung unterscheiden oder besteht hier Verwechslungsgefahr?

Dr. med. Kornmann: Eine Lungenentzündung durch Legionellen kann aufgrund des vielgestaltigen Verlaufs durchaus unentdeckt bleiben oder als einfache Bronchitis diagnostiziert werden, da sie nicht selten ohne Fieber und mit wenig Auswurf einhergehen kann. Ist das Krankheitsbild als atypische Lungenentzündung diagnostiziert, kommen neben Legionellen auch Mykoplasmen und Chlamydien und einige wenige andere als Erreger in Betracht. Sie gehören alle zu einer Gruppe von Erregern, die als sogenannte atypische Erreger bezeichnet werden. Atypische Erreger können in der Zelle oder im Zellzwischenraum auftreten und nehmen in bestimmten Eigenschaften eine Mittelfunktion zwischen Bakterien und Viren ein.

Mykoplasmen und Chlamydien sind deutlich häufiger anzutreffen als Legionellen, die Therapie und Behandlung ist aber durchaus ähnlich. Liegt also eine Verdachtsdiagnose auf eine atypische Erkrankung vor, wird im Rahmen einer kalkulierten antibiotischen Behandlung die Therapie so gewählt, dass insbesondere atypische Erreger erfasst werden. Das bedeutet, dass auch Legionellen behandelt werden können, ohne dass sie als Auslöser erkannt werden müssen, zumal nicht immer ein Erregernachweis erfolgt

Dr. med. Michels: Wie auch bei vielen anderen Infektionskrankheiten braucht es eine gewisse Mindestmenge an Erregern, um an einer Legionellose zu erkranken. Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel aufgrund von chronischen Erkrankungen, ist das Risiko, bei Exposition an einer Legionellose zu erkranken, höher als für einen gesunden, immunkompetenten Mensch, da eine Erkrankung bereits bei einer deutlich niedrigeren Konzentration an Legionellen erfolgt.

PAUL: Welche Konsequenzen sind zu befürchten, wenn ein ansonsten gesunder Mensch bereits unwissentlich chronisch mit Legionellen belastet ist und sich dann mit dem neuartigen Coronavirus infiziert?

Dr. med. Kornmann: Wenn jemand eine Form einer Legionellenerkrankung hat, die noch nicht so manifest ist, dass ein ausgeprägtes Krankheitsbild vorhanden ist, oder es besteht eine Exposition gegenüber Legionellen und es kommt zu einer Ko- oder einer Superinfektion mit einer weiteren Lungenerkrankung, zum Beispiel COVID-19, dann ist das Risiko, dass beide Erkrankungen manifester werden und einen ungünstigen Verlauf nehmen, massiv erhöht. Von einer Koinfektion oder Zweitinfektion spricht man, wenn beide Erkrankungen mehr oder weniger zeitgleich auftreten. Von einer Superinfektion spricht man in der Regel dann, wenn eine Infektion bereits besteht und den Boden für eine zweite Infektion bereitet. Ein normaler Atemwegsinfekt, zum Beispiel eine Bronchitis, beginnt in den allermeisten Fällen viral. Es gibt dann aber eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Patienten, bei denen auf dem Boden einer viralen Infektion der Atemwege eine bakterielle Infektion hinzukommt, weil die Atemwege bereits entzündet oder gereizt sind und das Immunsystem geschwächt ist. Bakterien, die teilweise in einer für den Körper unter Normalbedingungen nicht krank machenden Anzahl vielleicht sogar beim Gesunden im Mund-Rachen-Raum vorhanden sind, nehmen dann überhand und führen zu einer Superinfektion.

Dr. med. Michels: Das ist im Übrigen auch der Grund, warum man Risikopatienten ab einem gewissen Alter oder mit Vorerkrankung auch im Hinblick auf COVID-19 eine Impfung gegen Pneumokokken empfiehlt. Diese Impfung hilft nicht gegen das Coronavirus per se, sondern schützt vor Ko- und Superinfektionen durch Pneumokokken, die einen ungünstigen Verlauf fördern könnten.

Da man gegen Legionellen nicht impfen kann, empfiehlt man Risikopatienten besondere Vorsicht hinsichtlich Legionellenkontaminationen im Trinkwassersystem. Eine vorhandene Exposition sollte reduziert oder eliminiert werden. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn jemand bereits an COVID-19 erkrankt ist.

Dr. med Oliver Kornmann

Lungenfacharzt

Dr. med. Berthold Michels

Infektiologe & Lungenfacharzt

Immobilienbetreiber haften für die Trinkwasserqualität

Als Immobilienbetreiber sind Sie gesetzlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass das Trinkwasser in Ihren Liegenschaften genusstauglich und frei von Krankheitserregern ist, die die Gesundheit der Bewohner gefährden.

Um die vorgeschriebene Trinkwasserqualität zu gewährleisten, sind folgende Faktoren sicherzustellen:

  • die richtigen Temperaturen: unter 20°C bzw. höher als 55°C an jeder Stelle
  • die einwandfreie Funktionalität der Anlagentechnik
  • die Einhaltung der hygienischen Anforderungen
  • der bestimmungsgemäße Betrieb der Trinkwasseranlagen.

Immobilienbetreiber müssen nach Maßgabe der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) unter Berufung auf das Infektionsschutzgesetz das Wasser mindestens alle drei Jahre von einem staatlich anerkannten Trinkwasserlabor auf Legionellen überprüfen lassen, die Ergebnisse dokumentieren und dem Gesundheitsamt melden.
Kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, können Sie für eventuelle Gesundheitsschäden der Bewohner bzw. Gebäudenutzer und daraus folgende Konsequenzen haftbar gemacht werden.

Wenn jemand eine Form einer Legionellenerkrankung hat, die noch nicht so manifest ist, dass ein ausgeprägtes Krankheitsbild vorhanden ist, oder es besteht eine Exposition gegenüber Legionellen und es kommt zu einer Ko- oder einer Superinfektion mit einer weiteren Lungenerkrankung, zum Beispiel COVID-19, dann ist das Risiko, dass beide Erkrankungen manifester werden und einen ungünstigen Verlauf nehmen, massiv erhöht.

Dr. med. Oliver KornmannLungenfacharzt - Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

Da man gegen Legionellen nicht impfen kann, empfiehlt man Risikopatienten besondere Vorsicht hinsichtlich Legionellenkontaminationen im Trinkwassersystem. Eine vorhandene Exposition sollte reduziert oder eliminiert werden. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn jemand bereits an COVID-19 erkrankt ist.

Dr. med. Berthold MichelsInfektiologe, Lungenfacharzt - Institut für klinische Forschung Pneumologie, Frankfurt

Betreiber von Gebäuden, Anlagen, Einrichtungen oder Liegenschaften sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Gesundheit und das Leben der Nutzer zu schützen, sowie durch aufmerksames und fachkundiges Handeln Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Dabei ist bereits im Vorfeld jede Maßnahme zur Sicherheit zu erarbeiten, umzusetzen, zu prüfen – und regelmäßig zu aktualisieren.

Hartmut HardtRechtsanwalt mit Schwerpunkt Betreiberrecht und Haftungsrecht, Mitglied im Beirat Facility Management des VDI - Foto: TFranzen

Stagnation, geringer Leitungsdurchfluss und die falschen Temperaturen in den Trinkwasseranlagen sind die häufigsten Ursachen für die Vermehrung und Verbreitung von pathogenen Keimen und Legionellen. Je größer das Gebäude, desto höher auch das Risiko der Trinkwasserverkeimung.

Peter Paul ThomaDipl.-Ingenieur Versorgungstechnik, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Sanitär, Heizungs- und Lüftungstechnik und Energieberater

Der hydraulische Abgleich trägt maßgeblich dazu bei, dass die vorgeschriebenen Warm- und Kaltwassertemperaturen in allen Strängen eingehalten werden. Des Weiteren verringert der hydraulische Abgleich Leitungsschäden und Überlast der Warmwasserversorgung.

Willibald SchodorfDipl.-Ingenieur für Technische Chemie, Fachausschussvorsitzender „Wasser“ im Deutschen Fachverbandes für Luft- und Wasserhygiene e.V. (DFLW)

Nach einer Betriebsunterbrechung von mehr als einem Monat sind zusätzliche mikrobiologische Kontrolluntersuchungen auf allgemeine Keimzahl und Legionellen durchzuführen, und zwar sowohl in den Kalt- als auch in den Warmwasserleitungen.

Arnd Bürschgensöffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Trinkwasserhygiene, Vorsitzender des Deutschen Vereins der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene (DVQST e.V.)

PAUL garantiert Trinkwasserhygiene - dauerhaft und effizient

PAUL stellt automatisiert den hydraulischen Abgleich der Trinkwasseranlage sicher und gewährleistet deren Betrieb nach den anerkannten Regeln der Technik, normenkonform dokumentiert sowie revisionssicher gegenüber Behörden und Versicherungen. Die Gefahr einer erhöhten Legionellenkontamination und der sich daraus ergebenden Haftung für Sie als Betreiber wird somit gebannt.

Setzen Sie sich direkt mit uns in Verbindung, wenn Sie mehr über PAUL und digitale Gebäudetechnik erfahren möchten.

PAUL hilft sofort

Die Corona-Krise erfordert überall besondere Maßnahmen.
Deshalb haben wir für Sie den PAUL-Trinkwasserhygienedienst eingerichtet. Hier erhalten Sie Hilfe bei akuten Fällen.

Trinkwasserhygienedienst

Mit PAUL können Legionellen sofort und dauerhaft aus dem Trinkwasser entfernt werden. Zudem haben wir unser Expertennetzwerk aktiviert: Bei Bedarf können Ihnen Mediziner, Juristen, Hygieneexperten, spezialisierte Sachverständige und Ingenieure weiterhelfen.



    https://www.youtube.com/watch?v=ntyjFfaAh38

    So funktioniert PAUL